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Linux als Videoschnittsystem?


Seit dem letzten Artikel über Linux von Anfang 99 (Link am Ende dieses Artikels) hat sich viel getan: So sind einige Projekte mittlerweile zur Marktreife gelangt, andere wiederum komplett in der Versenkung verschwunden. Und natürlich finden sich in der Gemeinde der nicht müde werdenden Freeware-Programmierer auch wieder zahlreiche Neuankündigungen, die einiges erwarten lassen.

Die Sympathie vieler Produkt-Manager gegenüber dem alternativen Betriebssystem ist nicht mehr zu übersehen. Die technischen Vorteile von Linux für die Videobearbeitung sind dabei schon länger offensichtlich: Aufgrund der extremen Stabilität des Systems, der vollständigen Konfigurierbarkeit und dem vorbildlichen Support empfiehlt sich das System geradezu für komplexe Applikationen. Auch für die Installation eines Linux-Systems benötigt man mittlerweile kaum mehr Know-How als für eine Windows-Version: Dank der neuen Distributionen von Caldera, Corel und Co, wird bei der Installation die eingebaute Hardware selbständig erkannt und konfiguriert. Und neue grafische Oberflächen wie KDE oder Gnome ermöglichen den selben Komfort wie der Desktop von Bill Gates. Früher oder später werden wir daher mit Sicherheit zahlreiche, bekannte Videoapplikationen auch unter Linux begrüßen dürfen.

Doch Linux wäre niemals Linux geworden, wenn man immer bereitwillig auf die Unterstützung der großen Softwarehäuser gewartet hätte. Im Gegenteil: Seitdem die Videobearbeitung am PC ihren unaufhaltsamen Siegeszug angetreten hat, finden sich immer mehr kostenlose Linux-Programme, die Adobe und oder Ulead vielleicht schon etwas nervös machen sollten.....

Zu allererst ist zu vermelden, daß mittlerweile eine komplette Firewire-Unterstützung für Linux existiert. Unter http://linux1394.sourceforge.net/ findet der Interessierte alle Treiber und Patches um seine Linux-Installation für den digitalen Schnitt fit zu machen. Die aktuelle Version (Beta 4) ist zwar noch immer nicht offiziell als finale Version freigegeben, läuft jedoch schon äußerst zufriedenstellend. Da sich die Firewire-Unterstützung bereits seit Version 2.3.40 im Linux-Entwicklerkernel befindet, stehen die Chancen gut, daß sich die endgültigen Treiber auch im Anwenderkernel 2.4. befinden, dessen Release für Herbst erwartet wird. (Entwicklerkernel haben ungerade Versions-Nummern und sind in erster Linie für experimentierfreudige Anwender gedacht, während Anwender-Kernel gerade Nummern besitzen und ein stabiles System garantieren). Außerdem gibt es einen Firewire-Patch für den aktuellen Anwenderkernel 2.2.

Kaum hatte die IEEE1394-Unterstützung einen stabilen Versionsstand erreicht, sprossen die ersten Firewire-Projekte aus dem nährstoffreichen Boden der Linux-Gemeinde: Darunter sind sogar Applikationen, die in der Apple-Win-Welt noch Ihresgleichen suchen:

Unter http://www.chez.com/kayle/ieee_1394.htm findet man neben einem Programm, welches den Computermonitor zum DV-Fernseher macht auch ein experimentelles Firewire-Ethernet und eine Applikation namens "Virtual VCR", welche anderen Computern via Firewire vorspiegelt, sie sei ein aufnahmefähiger DV-Camcoder.

Doch auch "üblichere" Videoanwendungen stehen mittlerweile unter Linux zur Verfügung. So hat beispielsweise das DV-Capturing-Tool "dvgrab" (http://www.schirmacher.de/arne/dvgrab/ ) mittlerweile den Versionsstand 0.86 erreicht und arbeitet schon mit vielen Camcodern stabil zusammen. Interessant ist dabei, daß das Programm unter anderem ermöglicht, DV-AVI-Dateien nach Typ I und II zu erstellen. Zum Abspielen eigener Videodateien, finden sich momentan drei Player, die auch DV-Files unterstützen: xdvplay ( http://www.schirmacher.de/arne/xdvplay/index.html) , xdv ( http://voxel.at/prj/dv/) und gvplay (http://www.jtang.org/gvplay/).

Ob sich AVI-Dateien als Standard unter Linux etablieren ist eher zweifelhaft. Ein einheitliches Videoformat hat sich in diesem Bereich aber noch nicht durchgesetzt: Kämpfte bisher V4L2 (Video for Linux 2) gegen das momentan in Linux integrierte Video for Linux , hat sich gerade eine neue Initiative gegründet, die sich "OpenStream" nennt und ebenfalls einen eigenen Standard definieren will . Nicht zuletzt planen weitere Gruppierungen ebenfalls eigene Dateiformate durchzusetzen. Wie man sieht, schützt auch OpenSource nicht vor Formatchaos.......

Ebenfalls bereits einsetzbar ist ein eigener DV-Codec, der vielleicht Einheit in die Szene bringt: Der hier erhältliche Quasar-DV-Codec ist zwar noch nicht geschwindigkeitsoptimiert, jedoch freuen wir uns schon auf einen Speedtest gegen Canopus und MainConcept, wenn die Linux-Gemeinde mit der Optimierung fertig ist.

Wer einen Camcoder und einen PC besitzt wird mit ziemlicher Sicherheit nicht nur Dateien kopieren und auf dem Computermonitor betrachten wollen. Während vor einem Jahr noch keine Videoschnittsoftware unter Linux brauchbar einsetzbar war, stehen mittlerweile zwei Applikationen zur Verfügung, die von den Herstellern als final bezeichnet werden. Die bekannteste Videoschnittsoftware unter Linux ist VideoX-Lesern sicherlich ein Begriff: Der MainActor 3.5 des Aachener Softwareunternehmens MainConcept steht mittlerweile mit vollem Funktionsumfang auch unter Linux zur Verfügung. Im Gegensatz zu vielen anderen Linux-Programmen ist der MainActor jedoch nicht kostenlos. Allerdings erhält der Käufer des Programms, sowohl die Linux- als auch die Windows-Lizenz. Eine aktuelle Demoversion findet sich unter http://www.mainconcept.de.

Die zweite fertige Editing-Applikation nennt sich Broadcast 2000 und ist bei Heroine Virtual kostenlos erhältlich. Das Programm glänzt dabei mit einem beachtlichen Funktionsumfang, der sogar einigen teuren Windowsapplikationen gut stehen würde: Voller Dual-Prozessor Support, optionale 16 Bit-Farbbearbeitung und extrem professionelle Audio-Bearbeitung (Bis zu 5:1 Channel, 24 bit, 196 khz Audio Output). Eine nicht frei erhältliche Version des Programms ermöglicht sogar das descramblen von DVD´s und deren direkte Verarbeitung auf der Timeline. Leider ist die Bedienung und die Installation alles andere als trivial, so daß man allein für dieses Programm eine gehörige Portion Einarbeitungszeit einplanen sollte, um es sinnvoll zu nutzen.

Doch es gibt auch noch weitere Freeware-Videoschnittsoftware, die sich weiterhin in Entwicklung befindet: Am schönsten dokumentiert ist dabei Trinity (http://members.xoom.com/NicholasF/) , welches bereits einfache Schnitte und Farbkorrekturen erlaubt. Bei der Namensgebung des Programms, das sich offensichtlich an der weiblichen Hauptfigur aus dem Film "Matrix" orientiert sind allerdings rechtliche Probleme vorprogrammiert. Schließlich vertreibt die Firma Play unter dem selben Namen bereits ein Videobearbeitungssystem.

Von den weiteren drei vor einem Jahr vorgestellten Programmen wurde die Entwicklung von Moxy komplett eingestellt, während Crow (http://www.crow.atu.com.au/) und Splice (http://paradigm.uor.edu/~harshman/linux/splice.html) scheinbar noch weiter programmiert werden. Jedoch informieren die Websites hier nur sehr spärlich über die aktuellen Versionen.

Fazit:

Wer unter Linux seine eigene Videos schneiden will, kann dies bereits bewerkstelligen, insofern er mit einigen Linux-Interna vertraut ist. Es wird jedoch nicht jedermanns Sache sein, sich mit diversen Kernel-Patches und Installationsskripten herum zu schlagen. Diese Situation dürfte sich aber schlagartig ändern, wenn der neue Linux Anwenderkernel 2.4 diesen Herbst freigegeben wird. Sobald Firewirekarten automatisch ins System eingebunden werden und einige Videoschnittprogramme mit den Linux-Distributionen ausgeliefert werden, dürfte auch unter Linux bald der DV-Schnitt für jedermann wirklichkeit werden.

 

Hier findet Ihr den Linux Artikel von Anfang 99.



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