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Canopus DV Rex RT



Die DV Rex dürfte vielen Lesern schon Begriff sein, da sich diese Karte schon seit einiger Zeit auf dem deutschen Markt befindet. Wie auch die DV-Master von FAST besitzt die Karte einen Hardware DV-Codec (Sony DVBK-1), der auf langsameren Systemen die Renderzeiten reduzierten sollte. Mittlerweile sind jedoch reine Softcodec-Lösungen in der Regel beim Rendering schneller als ihre harten Brüder. Dies erkannten auch die Canopus Techniker relativ früh und erzielten durch eine geschickte Kombination von Soft- und HardwareCodec einen weiteren Geschwindigkeitsvorteil gegenüber den Systemen der Konkurrenz. Jedoch unterscheiden sich mittlerweile auch die Renderzeiten zwischen der hauseigenen Raptor und der Rex auf schnellen PC´s kaum noch, weshalb Canopus ihrem König nun etwas Produktpflege zuteil werden läßt. Mit einer Zusatzplatine für knapp 3000,- DM verspricht die Firma nicht weniger als den Dual Stream Echtzeit-Schnitt.

Als Systemvorraussetzungen empfiehlt Canopus ein Dual-Board mit 2 Pentium III und mindestens 450 MHz. Dabei wächst die Systemleistung und die Anzahl der kombinierbaren Effekte mit der Prozessorgeschwindigkeit. Für die nächste Release (3.0) sind schon weitere Effekte angekündigt, so daß der User mit einem leistungsstärkeren System auch in Zukunft per Software die Funktionalität seines Systems erweitern kann, ohne spezielle Video-Hardware nachkaufen zu müssen. Als Betriebssystem ist dabei Windows NT obligatorisch, da die Karte rege von zwei Prozessoren Gebrauch macht. Die Lösung läuft zwar auch mit einem einzigen Prozessor, jedoch stehen dann fast keine Echtzeiteffekte zur Verfügung. Weiters sollten mindestens 256 MB RAM als Hauptspeicher installiert sein und die Festplatte sollte eine minimale Dauertransferrate von 10 MB/s zur Verfügung stellen. Im Vergleich zu anderen Lösungen sind damit die Hardwareanforderungen des Systems wohl relativ hoch, dafür erhält man durch die softwarebasierenden Effekte aber auch eine größere Flexibilität und eine gewisse Zukunftssicherheit der Investition.

An Anschlüssen bietet die DV-Rex neben Firewirewire auch Audio und analoge Video-Ein- und Ausgänge. Hierfür wird eine praktische Breakoutbox mitgeliefert, welche wahlweise in einem leeren 5 ¼ Zoll Schacht eingebaut werden, oder auch "Stand alone" betrieben werden kann.

Die Rex RT ist auch weiterhin mit Premiere 5.1 oder Media Studio 5.2 einsetzbar, jedoch kommen die Echtzeit-Vorzüge des DV Rex Mega Bundle nur durch die mitgelieferte Schnittsoftware Rex Edit voll zur Geltung:

Die Liste der Echtzeiteffekte übertrifft alles, was die Konkurrenz momentan zu bieten hat: Neben Alpha-Blenden und Picture in Picture Effekten, was bei Pinnacle Produkten schon den Namen "Realtime" begründet, findet sich eine Farbkorrektur (sowohl in YUV als auch in HSBC!) und ein Luma Keyer in der Filterliste. Im Gegesatz zu den Digisuite Produkten, die ebenfalls den bisher genannten Satz Echtzeiteffekte beherrschen, fällt die Slow Motion (aufgrund mangelder Einstellungsparameter) und ein fehlender Chroma-Keyer negativ auf. Dafür beherrscht die Rex RT zusätzlich eine Menge Bildverfremdungsfilter, die bei der Konkurrenz oft schmerzlich vermisst werden: Neben seltener eingesetzten Effekten wie Emboss, oder Pencil Sketch ragen vor allem diverse Blur-Verfahren aus dieser Liste heraus, da diese sehr häufig in aktuellen Produktionen verwendung finden. Dabei sind die meisten Effekte komplett über Keyframe-Funktionen steuerbar und lassen sich sogar in eigenen Filterfunktionen ineinander überblenden oder zusammenmixen, um neue Effekte zu generieren.
Im Vergleich zur angekündigten Konkurrenz ist die DV Rex übrigens die einzige Karte, die alle Echtzeiteffekte auch direkt via 1394 ausgeben kann. Bei allen anderen Lösungen sind die Effekte nur am Analogausgang sichtbar und müssen vor der Ausgabe des kompletten Films immer gerendert werden.

Während bei den Matrox Produkten eine strenge Filterreihenfolge für Video-Echtzeiteffekte eingehalten werden muß, können unter Rex Edit alle Filter in beliebiger Reihenfolge aufgerufen werden. Die Menge der dabei einsetzbaren Filter hängt nur von der zur verfügbaren Prozessorleistung und der Komplexität der Effekte ab. Selbst wenn die Prozessoren an einer Stelle im Videostrom nicht in der Lage sein sollten, den Effekt zu berechnen muß der Anwender dank eines findigen Programmiertricks nicht zwangsläufig auf Echtzeit verzichten: Lastet Rex Edit beim Abspielen der Timeline die Prozessoren nicht vollständig aus, so berechnet es schon vorrausschauend spätere Effekte in einen RAM-Puffer. Kommt der Player nun an eine zu komplexe Stelle im Videostrom, so liegen bereits die ersten Frames des Effekts abspielbereit vor, während der Prozessor versucht den Rest des Effekts ohne Frameverluste abzuspielen. Daraus resultiert auch die hohe RAM-Anforderung in den Spezifikationen. Mit 256 MB kann das Programm immerhin schon drei Sekunden "buffern". Zusätzlich dient dieser Buffer der Überbrückung von Dropped Frames. Selbst mit einer langsamen IDE-Festplatte, die gelegntlich unter 10 MB/s fiel, spielte die DV Rex sämtliches Material ohne Ruckler aus der Timeline. Leider ist diese Buffering-Technologie bei der Konkurrenz noch immer keine Selbstverständlichkeit. Wird der Rechner bei komplexen Effekt-Kombinationen trotz großem RAM-Puffers überfordert, hat der Benutzer die Wahl zu Rendern oder zu Beurteilungszwecken den Effekt verlangsamt zu begutachten, indem er letztere Funktion über eine Menüfunktion freigibt.

Bei den Titeln zeigen die Canopus-Programmierer ebenfalls der Konkurrenz, wie man effektiv programmiert: Bis zu 10 (zehn!!) Titel lassen sich gleichzeitig über zwei Videoströme legen und dabei animieren. Konkurrenzprodukte erlauben in Echtzeit maximal einen Grafiklayer, und dieser ist oft nicht einmal beweglich. Der Fairness halber muß man aber zugestehen, daß der Titeler nur feste Bewegungsformen und keine Verformungen des Textes erlaubt wie dies mit Konkurrenzprogrammen (z.B.: Title Deko mit Premiere) möglich ist. Immerhin stehen ebenfalls sehr gute Schriftgestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung (True Type Fonts, Beveling, Farbverlauf und Softshadows), was für die meisten Anwendungsgebiete mehr als ausreichend sein dürfte.

Auch im Audiobereich stehen zahlreiche Echtzeit-Effekte zur Verfügung: Neben Delay, Panning- und Balance sowie zwei Hoch- und Tiefpass-Filtern stehen ein grafischer 10-Band- und ein parametrischer 3-Band Equalizer zur Verfügung. Öfters genutzte Funtionen wie Hall vermißt man dagegen (noch?) schmerzlich.

Im Gegensatz zu Premiere oder Media Studio ist der restliche Funktionsumfang der Schnittsoftware eher gering. Canopus begründet dies mit der Firmenphilosophie "Just Edit", was bedeuten soll, daß der Benutzer nur wirklich wichtige Funktionen zur Verfügung gestellt bekommt, die bei der alltäglichen Schnittarbeit gebraucht werden. Diese Funktionen sollen dafür so schnell wie möglich implementiert sein, um einen möglichst kreativen und reibugslosen Arbeitsablauf zu ermöglichen. Während mit Media Studio oder Premiere dank ihrer 99 Spuren und zahlreichen Filteroptionen auch kleinere Compositing-Aufgaben zu bewältigen sind, demonstriert Rex Edit mit seinen 3 Tracks, daß es auschließlich Schnittprogramm sein will. Wer dennoch nicht auf Effekte mit mehreren Spuren und ausgefallene Filter verzichten will, konnte sich bis vor kurzem über die beigelegten Boris FX 3.5 freuen. Diese klinken sich nahtlos als Plugin in Rex Edit ein, und erlauben viele bekannte Compositing Tricks. Praktischerweise enthält BorisFX auch einen brauchbaren Chroma-Keyer, den man bisher unter Rex Edit noch schmerzhaft vermisst. Leider wurden mit erscheinen der Version 4.0 die Lizenzpreise der OEM-Version so teuer, daß der deutsche Vertrieb dieses Programm ab sofort nicht mehr beilegt. Im Gespräch sind stattdessen die Adorage Magic Plugins. Separat ist die neue Version 4.0 jedoch erhältlich und läuft auch weiterhin unter Rex Edit.

Fazit:

Mit 3000,- DM Aufpreis zuzüglich eines üppig ausgestatteten Dual-PC´s spielt die Rex RT in einer Preis-Liga, die momentan von Produkten wie Matrox´s Digisuite oder Pinnacles Realtime besetzt wird. Im Gegensatz zu diesen starren Hardwarelösungen erhält der Anwender mehr und flexibler einsetzbare Echtzeiteffekte als jedes dieser Schnittsysteme bisher bieten kann. Aufgrund des Softwarekonzeptes vermittelt die Karte von Canopus auch eine gewisse Zukunftssicherheit, da die Effektvielfalt aufgrund steigender Prozessorleistung in der Zukunft leicht per Software-Update erweitert werden kann. Einzig vermißt haben wir nur einen Chroma Keyer, welcher laut Canopus schon im nächsten Update von Rex Edit enthalten sein soll. Auf der anderen Seite sind die Systeme der Konkurrenz nicht auf DV(und DVCAM) beschränkt, sondern bieten praktisch verlustfreie MJPEG Kompression mit YUV4:2:2 Sampling und auch das professionelle Capturing mit YUV-Eingängen.

Gegenüber den gerade angekündigten DV-Echtzeitschnittlösungen von Pinnacle und Matrox zwischen 2- und 3000,- DM liefert die Rex ebenfalls mehr Realtime-Effekte und kann diese auch in Echtzeit an der Firewirebuchse bereitstellen. Dafür ist die Funktionsvielfalt gegenüber Premiere oder Media Studio mittels Rex-Edit auf reine Schnittaufgaben beschränkt. Im Lieferumfang befindet sich jedoch nach wie vor ebenfalls Premiere, welches man bei Bedarf -jedoch ohne Echtzeiteffekte- für spezielle Aufgaben einsetzen kann. Canopus kündigt aber in seinem Handbuch an, daß die RT-Funktionalität demnächst auch an Premiere angepaßt werden soll.

Gegenüber aktuellen Softcodec Lösungen überzeugt an der Karte zusätzlich dadurch, daß aufgrund des Hardwarecodecs kein Camcoder während der Schnittarbeiten am System angeschlossen sein muß, um eine optimale Vorschauqualität zu erhalten.

Die gesamte Lösung verhielt sich während des Tests extrem stabil und unproblematisch, was für professionellere Anwender durchaus ebenfalls ein Kaufargument darstellen dürfte. Wer in seinen Videos jedoch nur selten Effekte oder Titel einsetzt, für den dürfte das Flagschiff von Canopus wohl etwas überdimensioniert sein. Dagegen bekommen Besitzer einer DV Rex für knapp 3000,- DM eine Zusatzfunktionalität geboten, die für dieses Geld momentan einzigartig ist.


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