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MPEG2-Encoding kostenlos!


Mittlerweile zweifelt niemand mehr daran, daß sich MPEG2 und die damit immer wieder verbundene DVD als Distibutionsform auf breiter Front durchsetzten wird. Nicht ohne Grund, denn mittels MPEG2 können Videos in erstaunlich hoher Qualität bei relativ niedrigen Datenraten auf CD-Rom oder DVD-RAM aufgenommen werden. Mittels eines DVD-Decoders können diese Filme in bisher unbekannter Qualität am heimischen Fernseher oder Computermonitor wiedergegeben werden, wobei die typischen Abnutzungserscheinungen von Videobändern endgültig der Vergangenheit angehören. Leider waren solche Encoder bisher nicht kostenlos erhältlich ..

Außer mit reinen Hardwarelösungen lassen sich mittlerweile auf dem heimischen PC mit Prozessoren ab ca. 450 MHz MPEG2-Filme in Echtzeit betrachten. Und neben den zahlreichen Softwareplayern von diversen Anbietern unterstützt auch schon der neue Media Player von Microsoft dieses Format. Da mittlerweile viele Grafikkarten mit einem TV-Ausgang erhältlich sind, dürfte so mancher Anwender bereits mit dem Gedanken gespielt haben, seine Werke mittels MPEG2 zu archivieren. Hierfür ist nicht einmal zwingend ein DVD-RAM Laufwerk nötig, da auf einer herkömmlichen CD-ROM je nach Qualität zwischen 8 und 15 Minuten MPEG2-Video Platz finden. Leider können nicht alle "standalone" DVD-Player mit CD-ROMs zurecht, aber für die ersten Gehversuche muß man ja nicht gleich in einen DVD-ROM Brenner für ca. 10.000,- DM investieren. Um seine MPEG2-Videos auf CD zu brennen, genügt in der Regel ein MPEG2-Encoder.

An dieser Stelle stellte ich schon früher einen kostenlosen MPEG2-Encoder der Universität München vor, welcher jedoch schon seit geraumer Zeit nicht mehr weiterentwickelt wird. Neben der schlechten Erreichbarkeit des Webservers bedauerten viele Anwender auch, daß der vom Institut angekündigte Multiplexer niemals fertiggestellt wurde. Da aber ein solcher Multiplexer zur kompletten MPEG2-Produktion unabdingbar ist (er bündelt Audio und Video-Daten zu einem abspielbaren Programmstrom), schlug ich damals vor, den voll funktionsfähigen Multiplexer der Demo-Version des komerziellen DVMPEG-Encoders zu benutzen. Dieser war leider kurz nach Erscheinen des Artikels nicht mehr auf der Darvision-Website zu finden.

Also sah es lange Zeit wieder so aus, als käme man bei der Erstellung von MPEG2-Videos um einen kostenpflichtigen Softwareencoder nicht herum. Doch das Internet ist groß und die Gemeinde der Freewareprogrammierer gibt nicht auf, uns mit kostenlosen Tools zu beglücken, die kommerziellen Produkten oft in nichts nachstehen.

So machte mich ein Leser vor kurzem auf einen kostenlosen, kompletten MPEG2-Encoder inklusive Multiplexer (!!!) aufmerksam, der sämtliche MPEG2-Standards beherrscht. Da ein Teil des Codes bei einer komerziellen Vertriebsform des Programms Lizenzpflichtig wäre, ist das komplette Programm ohne Einschränkungen Freeware !!!

Dabei bietet der Encoder mehr Optionen, als manch komerzielles Produkt: Für letztere Funktion hat sich der Programmierer einen äußerst interessanten Programmiertrick einfallen lassen:

Auf der Webseite finden sich 2 Softwarepakte namens AVI2MPEG.EXE und bbMPEG.DLL. Dabei ist ersteres Programm die Benutzeroberfläche für Anwender, die nicht mit Premiere arbeiten. Die DLL-Datei stellt dieser Anwendung sämtliche MPEG-Algorithmen zur Verfügung. Um das Plugin unter Premiere einzusetzen muß nur die Endung DLL in PRM umbenannt und das File ins Plugin-Directory geworfen werden. Wer schon einmal selber programmiert hat weiß, daß dies ein kleines Programmierkunststück darstellt.

Unter Premiere gibt es eine kleine, aber leicht zu verschmerzende Unzulänglichkeit: Der Benutzer darf beim Export keine Soundparameter angeben, die vom MPEG-Standard nicht unterstützt werden. Dies ist in erster Linie 8-Bit Soundausgabe und seltene Samplefrequenzen. Ein Manko, welches sich in Anbetracht des Preises sicher leicht verschmerzen lässt.

Im Gegesatz zur Urversion des Encoders, welche noch gähnend langsam war, hat sich der Programmierer mittlerweile sogar schon an die Code-Optimierung gemacht. Der Benutzer kann dabei sogar seinen Prozessor optimal ausnützen, da neben MMX auch schon eine Optimierung für AMD´s 3D-NOW! Technologie implementiert ist. Auf einem Pentium II 400 kommt der Encoder denn (bei durchnittlichen Einstellungen) auf ca. 30-fache Echtzeit, d.h. für eine Minute Film braucht der Rechner ca. 30 Minuten. Das liegt noch weit entfernt von komerziellen Encodern, jedoch muß der Gelegenheitsanwender ja auch nicht jeden Tag einen Spielfilm encodieren.

Leider ist die Erstellung eines MPEG2-Video Datenstroms alles andere als trivial, und auch beim Audioformat gibt es verschiedene Standards, die eingehalten werden wollen. An Einstellmöglichkeiten bietet das Programm wirklich alle Parameter, die den Encoding-Prozess beinflussen. Die Beschreibung dieser Parameter würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen. Je nach Filmszene (Kamerabewegungen, Farbraum- und Objektverschiebungen etc.) sind andere Parametereinstellungen optimal, und selbst eingefleischte Encoding Profis machen hierbei noch Fehler. Gerade deshalb ist dieser Encoder auch für Anfänger besonders interessant, um erste Erfahrungen mit dem zweifellos immer wichtiger werdenden MPEG2 Format zu sammeln.

Als zusätzliches Bonbon findet sich auf der Webseite noch eine kostenlose Version der bbTools, welche es erlauben fertige MPEG2-Streams zu demultiplexen und zu analysieren. Wer allerdings denkt hiermit auch den Kopierschutz von professionellen DVDs umgehen zu können, irrt. Doch das haben mittlerweile ja schon andere übernommen ...

Fazit:

Da der Encoder auch schon zukünftige Formate bis zu High Level / High Profile unterstützt, lädt er sowohl Einsteiger als auch Profis zum hemmungslosen Experimentieren ein. Die Ausgabequalität des Programms ist dabei von den komerziellen Konkurrenten nicht zu unterscheiden. Nur wer regelmäßig encoden muß und dafür wenig Zeit hat, dürfte mit einem "käuflichen" Softwarepaket oder einem Hardware-Encoder besser bedient sein.

Das komplette Paket findet sich im Internet unter: http://members.home.net/beyeler/bbmpeg.html



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