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IMSI Lumiere Suite 2.0





Dieses Softwareprogramm hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Die Version 1.0 wurde seinerzeit von Corel, dem kanadischen Softwareunternehmen entwickelt. Leider gelangten nur vereinzelte Pakete dieser Version in den deutschen Handel. Danach gab es ein großes Verwirrspiel, in welchem sich Corel letztendlich wieder von dem Programmierteam und der Schnittsoftware trennte. Trotz vieler Nachfragen blieb die Zukunft von Lumiere im Ungewissen. Mit Lumiere Suite 2.0 hat sich nun die bekannte Softwareschmiede IMSI des Programmpaketes angenommen.

Das Programm erinnert in seiner Bedienoberfläche sehr stark an Premiere 4.2, kostet hierbei aber nur einen Bruchteil von seinem Vorbild. Der attraktive Preis von 249,- DM läßt jedoch vermuten, daß man als Benutzer wohl nicht mit dem vollen Funktionsumfang der renommierten Programmpakete rechnen sollte.

Daß das Programmierteam sich Gedanken gemacht hat, was man an den klassischen Schnittprogrammen noch verbessern könnte zeigt sich schon bei der durchdachten Gestaltung der Oberfläche. Da bei beinahe jedem Anwender am Bildschirm durch zahlreiche offene Fenster früher oder später der Platz ausgeht, stellt Lumiere von vornherein ein andockbares Projektfenster zur Verfügung, welches zwei Reiter für Übergänge (Transitions) und das importierte Rohmaterial (Media Katalog) zur Verfügung stellt. Premiere benötigt hierfür zwei separate Fenster.Schade ist nur, daß IMSI hier keinen dritten Reiter für Videofilter implementiert hat, da dies den kontinuierlichen Arbeitsfluß ebenfalls positiv unterstützen würde.

Nachdem der Benutzer das Rohmaterial in den Media Katalog importiert hat, gestaltet sich die Arbeit ähnlich wie in Premiere oder Media Studio. Clips können auf den bis zu 99 Spuren entlang der Timeline abgelegt und mit Filtern und Übergängen bearbeitet werden. Hierbei kann der Anwender auch die sogenannte Splitter-Bar-Ansicht wählen, bei der das Timeline-Fenster in zweifacher Ausführung am Desktop sichtbar ist. Gerade bei Projekten mit großer Spuranzahl ist es dadurch besonders leicht "entferntere" Spuren aufeinander anzupassen. Will man beispielsweise eine Überblendung zwischen Spur 1 und Spur 18 berechnen, so können diese Spuren dank der Splitter-Bar direkt übereinander gelegt werden. Apropos Überblenden. Auch hier haben die Programmierer einen Schwachpunkt von Premiere sehr elegant ausgebügelt. Klickt man auf die Transparenzanzeige einer Superimpose-Spur so erscheint die Transparenz-Funktion stark vergrößert zur Bearbeitung. Wer schon öfters mit Premiere 4.2 die winzigen Kontrollpunkte ändern mußte, wird sich über ein solches Feature sicherlich freuen.

Der meiner Meinung nach größte Vorteil von Premiere gegenüber anderen Lösungen sind die sogenannten virtuellen Clips. Diese als Nesting aus dem Compositing bekannte Arbeitstechnik erlaubt es mehrere Tracks mit Effekten und Sound als einen einzigen Clip auf der Timeline abzulegen und weiter zu verarbeiten. Lumiere 2.0 unterstützt ebenfalls virtuelle Clips, was in dieser Preisklasse wohl als einzigartig bezeichnet werden darf.

Überhaupt bietet das Programm einige Funktionen, die eigentlich schon in den Compositing-Bereich fallen. Dies zeigt sich besonders bei den Überlagerungsfunktionen zwischen den Superimpose-Spuren. Neben den üblichen substraktiven, additiven oder multiplikativen Überlagerungen finden sich noch 16 weitere mehr oder weniger brauchbare Überlagerungsfunktionen. In dieser Hinsicht hat selbst Adobe“s After Effects kaum mehr zu bieten.

An Keying-Funktionen stehen neben einem normalen Chroma- Key auch RGB-, Differenz- und AVI-Masken-Key“s zur Verfügung. Die Keying-Qualität ist hierbei durchaus mit Premiere ebenbürtig und erlaubt ebenfalls eine Kantenglättung. Jedoch wird der eine oder andere Anwender in diesem Zusammenhang eine Unterstützung von Alpha-Masken vermissen. Werder die Anleitung noch die Online-Hilfe erwähnen diese Maskierungsform und bei Standbildern mit integriertem Alpha-Kanal wird dieser einfach ignoriert. Hier sollte IMSI unbedingt noch nachbessern (lassen), da gerade beim Import von Standbildern oder Titeln die eingebauten Keying-Funktionen kein optimales Ergebnis liefern können. Eine eigene Titeling-Funktion besitzt Lumiere übrigens nicht. Im Handbuch findet sich hierzu nur der lapidare Hinweis, daß hierzu das mitgelieferte Corel PHOTO-PAINT 7 Plus gedacht sei. Auch eine gedruckte Anleitung zu diesem Programm sucht man vergeblich, das Handbuch liegt nur in elektronischer Form (und englischer Sprache) auf der zugehörigen CD bei. Wer sich jedoch mit Corels Bildbearbeitung näher befaßt, merkt schnell, daß dieses Programm mit Adobes Photoshop praktisch ebenbürtig ist. In diesem Zusammenhang ist es besonders bemerkenswert, daß PHOTO-PAINT auch die direkte Bearbeitung von AVI-Dateien erlaubt.

Die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten dringen in Bereiche vor, die bisher Spezialprogrammen wie Discreet Logic“s Paint vorbehalten waren und mindestens das 20-fache kosteten. Ob Rotoscoping (= Malen auf Film) oder Mehrfarben-Keying mit dem Zauberstab, eben alles was bisher nur mit Standbildern in Photoshop möglich war, läßt sich mit Corels Programm auf AVI-Dateien anwenden. Durch die eingebaute Scriptsprache und einen Macrorecorder können die ausgefallensten Ideen verwirklicht werden, die selbst viel teurere Compositing-Lösungen in die Knie zwingen würden. Allein dieses Programm ist die 250,- DM sicher mehr als Wert.

Doch auch im Audio-Bereich hat IMSI“s Softwarepaket einiges zu bieten. Neben zehn mitgelieferten Audiofiltern mit Preview-Funktion (z.B.: grafischer Equalizer, Pitch-Shifter oder sogar ein einfacher De-plopper) findet sich ein weiteres integriertes Programm im Lieferumfang, welches durchaus für viele Anwender interessant sein dürfte: Der Smart Sound Wizzard. Dieses Programm erstellt für den Anwender nach Angabe von Stil und Länge Musikuntermahlungen für Videofilme. Die Qualität der Arrangements, die sich von Klassik über Pop und Rock bis Country erstrecken, ist durchaus brauchbar. Wer öfters kleinere Auftragsproduktionen am PC schneidet, erhält auf diese Weise schnell und unkompliziert eine GEMA-freie musikalische Untermalung, für welche kein Pfennig Tantiemen anfällt.

Die maximale Projektlänge eines Lumiere-Projekts beträgt eine Stunde, was eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Sehr zeitgemäß ist dagegen die Möglichkeit das Projekt als Vorschau mit Effekten in Echtzeit zu betrachten. Da heutige Computersysteme jedoch noch nicht in der Lage sind, Vollbild-Pal Videoströme in Echtzeit zu berechnen, ruckelt die Vorschau dementsprechend. Daher kann der Anwender die Vorschauparameter auf sein Computersystem anpassen, indem er beispielsweise die Pixelzahl reduziert oder die Kantenglättung (anti-aliasing) abschaltet.

Insgesamt erhöht dieses Feature die Arbeitsgeschwindigkeit an einem Projekt erheblich, da man nicht mehr auf die Berechnung einer Vorschau warten muß, sondern immer sofort einen groben Eindruck über die eingesetzten Effekte erhält. Ein ruckelfreier Timelineplayer, der es erlaubt unbearbeitetes Material direkt aus der Zeitleiste abzuspielen ist dagegen leider nicht implementiert.

Doch wo viel Licht ist, fällt auch Schatten. So findet sich im gesamten Programm keinerlei Möglichkeit die Halbbildreihenfolge eines AVI-Clips festzulegen. Scheinbar arbeitet das Programm intern mit Vollbildern, was bei Effekten, die das Bild in irgendeiner Form verzerren schnell zu Artefakten führen kann. Und auch die Geschwindigkeit des Programms kommt nicht an den Spitzenreiter Premiere 4.2 heran. Als gravierendsten Nachteil empfand ich jedoch die fehlende Unterstützung für Codecs diverser Grafikarten. So ließen sich beispielsweise DV-Filme nicht in Lumiere direkt importieren. Hierfür mußten sie erst in einem anderen Programm in unkomprimierte AVI“s umgewandelt werden.

Insgesamt hinterläßt Lumiere 2.0 also einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite enthält das Programm viele, gutdurchdachte Verbesserungen gegenüber den bisher erhältlichen Programmen. Andererseits disqualifiziert sich Lumiere durch seine fehlende Halbbildunterstützung und schlechte Codec-Erkennung von vornherein für den (semi)professionellen Markt. Ich denke jedoch, daß allein Corels Photo Paint Paint und der Smart Sound Wizzard für viele Anwender das Geld wert sind. Wer sowieso nur in VHS-Qualität schneidet oder sich noch nie mit Halbbildern auseinander gesetzt hat, für den bietet Lumiere zusätzlich einen prallvollen Effektbaukasten mit Echtzeitvorschau zum unschlagbar günstigen Preis.

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