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Pinnacle DV500



Kaum hatte Matrox ihre RT2000 für 3000,- DM mit Erscheinungstermin Ende Oktober 99 angekündigt, hielt Pinnacle mit der DV500 für knappe 2000,- DM dagegen. Matrox liefert immer noch nicht aus, während die DV500 schon seit Weihnachten in den Regalen steht. Ob dieser Schnellschuß sein Geld wert ist, soll dieser Artikel klären:

Die DV500 basiert auf einem C-Cube Chipsatz, der sich momentan auf vielen aktuellen und angekündigten Produkten findet. Dieser Chipsatz erlaubt die gleichzeitige Wiedergabe von zwei DV-Strömen und kann zusätzlich noch einige Effekte in Echtzeit zur Verfügung stellen. Interssanterweise kann dieser Chip mittels Microcode programmiert werden, der dem Chipsatz befiehlt, ob dieser MPEG2- oder DV- Codec sein soll. Mittels eines einfachen Softwareupdates sollte es daher möglich sein, der DV500 auch den MPEG2-Schnitt mit 25 Mbs beizubringen, wie dies auch Matrox für ihre RT2000 angekündigt hat.

Zur Videobearbeitung befinden sich neben einer Vollversion von Premiere 5.1 und dem rennomierten Titelgenerator "Title Deko" auch zusätzliche Programme zum Erstellen von DVD´s (Minerva Impression) und eigenen Tonuntermalungen (Acid Music) im Lieferumfang. Mit diesem Softwareaufgebot düfte wohl jeder Videowerker aufs erste zufrieden sein.

Auch die mitgelieferte Breakout-Box macht einen professionellen Eindruck. Auf ihr befinden sich alle analogen Ein- und Ausgänge (FBAS und Hosiden-Video, sowie Chinch Audio). An der Break-Out Box läßt sich auch während des Schnitts ein Kontrollmonitor betreiben, mit welchem das geschnittene Programm in Echtzeit begutachtet werden kann. Leider können die Echtzeiteffekte nicht über den Firewire-Ausgang ausgegeben werden. Daher muß der gesamte Film vor dem Herausspielen auf DV gerendert werden. Intern arbeitet die DV500 immer mit dem DV-Format. Daher werden auch analoge Videos in diesem Format auf der Festplatte gespeichert.

Auf meinem Rechner (Dual Pentium II 400 MHZ, Gigabyte BXD-Board) mit drei weiteren PCI-Karten gelang mit die Installation der DV500 zuerst überhaupt nicht, obwohl sich keinerlei Interrupt-Konflikte zeigten und die Karte einen eigenen IRQ hatte. Und obwohl ich bisher noch jede Karte zum laufen gebracht habe, habe ich bis jetzt nicht herausgefunden, woran die Installation hakte. Nachdem ich alle Karten entfernt hatte und mit einer frischen Windows 98 Installation die Installation neu startete ging die gesamte Prozedur reibungslos vonstatten. Die aktuellen Treiber (Release Candidate 15) laufen momentan offiziell nur unter Windows 98. Eine weitere Installation unter Windows NT war mit diesen Treibern ebenfalls möglich, jedoch sind diese noch nicht von Adobe zertifiziert worden. Wer plant, die Dual-Stream-Fähigkeiten der DV500 zu nutzen, sollte übrigens nicht auf einzelne IDE-Platten setzen. Trotz aktivierter Busmaster-Treiber gelang es mir nicht aus der wohl momentan schnellsten EIDE-Platte (Seagate Baracuda ATA, 7200 Upm) mehrere Clips ruckelfrei von der Timeline mit Übergängen abzuspielen. Bei zwei Strömen muß die Platte zwar theoretisch nur 7MB/s übertragen können, jedoch wird in der Praxis der Lesekopf zwischen den Strömen "hin- und hergejagt", weshalb hier auch die Zugriffszeit der Platte und das Busprotokoll eine große Rolle spielt.

Zum Einlesen von DV-Material liefert Pinnacle die "DV-Tools" mit, mit welchem auch digitale Camcoder via Firewire fürs Batch Capturing gesteuert werden können. Leider arbeiten die Story Tools immer noch nicht framegenau mit allen Camcodertypen zusammen, weshalb man hierbei immer ein paar Frames mehr "mitnehmen" sollte". Eine analoge Recordersteuerung ist dagegen nicht vorgesehen.

Die Karte erlaubt einerseits im alten (und damit weithin kompatiblen) AVI-DV1-Format zu arbeiten, woduch jedoch auch die alten Einschränkungen wie das 2 GB Limit erhalten bleiben. Auf der anderen Seite kann der Anwender auch die neuen OpenDML-DV-AVI Spezifikationen anwenden, welche die bekannten Limitationen nicht mehr aufweisen. Windows 98 besitzt leider intern weiterhin eine 4 GB-Dateibeschränkung aufgrund seines 32 Bit-Dateisystems! Daher können momentan nur unter NT mehr als 18 Minuten DV-Video in einem einzigen File gespeichert werden.

Die DV500 bietet die Option beim Timelineplay einen (!) Effekt in Echtzeit zu erzeugen. An Echtzeiteffekten stehen dabei in erster Linie Transitions zur Verfügung, welche aus Graustufenmasken erzeugt werden. Solche Übergänge basieren aus einer einfachen Bilddatei, die durch Helligkeitswerte beschreibt, welche Bereiche bei einer Überblendung zuerst in Erscheinung treten. Überblendungen, bei denen Pixel tatsächlich verschoben werden -beispielsweise Fly-ins- können mit der DV 500 daher nicht in Echtzeit erzeugt werden. Um die Anzahl der verfügbaren Realtime-Effekte (wohl in erster Linie aus Marketinggründen) hochzutreiben, legt Pinnacle 300 Graustufenbilder aus der Pixelan Spice Rack Serie bei.
Weiters bietet die Karte als Echtzeitfilter eine einfache Farbkorrektur, eine Helligkeits- sowie eine Bildinvertierungsfunktion. Als letzte Echtzeitoption können statische Titel mit Alpha-Kanal über ein Video gelegt werden. Wer jedoch beispielsweise einen Clip mit eingestanztem Titel überblenden will, muß diesen Teilbereich nach wie vor rendern, da sich hierbei schon zwei Echtzeiteffekte überlappen würden.

Entgegen der weitläufigen Meinung -und im Gegensatz zur RT2000- ist die DV500 nicht in der Lage 3D-Effekte in Echtzeit zu erzeugen. Dafür kann mit der Karte, wie auch mit allen anderen Pinnacle Produkten, FreeFX eingesetzt werden. Dieses kostenlose Plugin erlaubt unter Einsatz einer DirectX-Fähigen Grafikkarte 3D-Effekte beschleunigt zu berechnen. Da jedoch unter Windows NT nur DirectX3 verfügbar ist, laufen die "FreeFX" momentan nur unter Windows 98.

Bei der Ausgabe bietet die DV500 auch die Möglichkeit MPEG2-Ströme (MP@ML, IPB) direkt aus Premiere zu exportieren. Diese Funktion steht zwar ebenfalls nicht in Echtzeit zur Verfügug, jedoch spart man sich die Anschaffung eines zusätzlichen Software-Encoders.

Zur Weiterverarbeitung liefert Pinnacle ein DVD-Authoring Tool namens "Minerva Impression" mit. Die beigelegte Version hat allerdings einige Einschränkungen: So kann die erzeugte DVD nur ein einziges Menü benutzen und Links können nicht auf Film-Kapitel verweisen. Weiters kann man keine Menüs mit Audiountermalung erstellen und Standbilder, die keine Menüs sind, können nicht direkt eingesetzt werden.
DVD-Autoring-Software mit den oben genannten Funktionen kostet allerdings noch ein vielfaches der DV500. Vom Funktionsumfang ist die mitgelieferte Version von "Minerva Impression" am ehesten mit Sonic DVDit vergleichbar, welches sich im Lieferumfang vieler Konkurrenzprodukte befindet. Sie eignet sich dabei durchaus, um erste Gehversuche mit der Gestaltung DVD´s zu wagen.

Im praktischen Einsatz der Karte spürt man jedoch noch öfters, daß Pinnacle um jeden Preis vor Matrox auf dem Markt sein wollte. So kommt es gelegentlich zwischen zwei harten Schnitten noch zu einem schwarzen Bild oder der Ton verliert sich bei größeren Projekten nach einiger Zeit im Nirvana. Außerdem prägten mehrere unreproduzierbare Abstürze der DV500 diesen Test. Auf der anderen Seite hat mir Pinnacle in den letzten 2 Monaten 4 Treiberversionen (0.9,1.0, 1.0A, RC15) herausgebracht, welche von mal zu mal stabiler wurden. Den zahlreichen verärgerten Lesermails nach zu urteilen hätte Pinnacle sicher daran gut getan, die Karte lieber etwas später und reifer auszuliefern.

Fazit:

Gegenüber reinen Softcodec-Lösungen im selben Preissegment könnte die Pinnacle-Karte mit ihren analogen Zusatzfunktionen und der daraus resultiernenden Möglichkeit ohne angeschlossenen Camcoder zu arbeiten, punkten. Wer für die mitgelieferten Echtzeit-Effekte regen Einsatz findet und dabei seine Filme in erster Linie analog ausgeben will dürfte die Karte ebenfalls interessant finden. Wer jedoch hauptsächlich mit DV arbeitet und viele verschiedene Effekte einsetzt, die immer gerendert werden müssen, dürfte mit einer aktuellen Softcodec-Karte zufriedener sein, weil die Renderzeiten entsprechend kürzer sind. Das größte Manko sind jedoch nach wie vor die mitgelieferten Treiber. Ich dachte immer, es hätte sich in jeder Marketing-Abteilung herumgesprochen, daß nichts für ein Produkt so schädlich sein kann, wie schlechte Treiber in der ersten Revision. Dadurch bleibt doch oft ein Image hängen, was eine Karte so schnell nicht mehr los wird.




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